Praktisch · Robotaxi

Robotaxi in China als Tourist: geht das ohne chinesische Handynummer?

Kurzantwort

Ja — aber nicht über die App des Anbieters. Wer 萝卜快跑, 小马智行 oder 文远知行 direkt installiert, scheitert in der Regel an der chinesischen Identifikationsnummer, nicht an der Sprache. Der Weg, der tatsächlich funktioniert, führt über die englischsprachige Version der Karten-App AMap ohne chinesische Telefonnummer — oder, in Guangzhou, über einen autonom fahrenden Bus, für den man gar keine App braucht.

China betreibt das größte kommerzielle Robotaxi-Netz der Welt. Allein die Flotte von Baidu schafft pro Woche mehr autonome Fahrten als Waymo in einem Monat. Die Autos sind echt, die Fahrten sind echt, und sie kosten oft ein Drittel eines normalen Taxis.

Der Grund, warum die meisten Reisenden trotzdem keine Fahrt machen, ist nicht die Technik. Es ist ein Formular.

Drei Wege hinein — nach Erfolgsquote sortiert

Der Unterschied zwischen „unmöglich” und „einfach” liegt nicht am Anbieter, sondern am Einstieg.

WegVoraussetzungKlappt für Ausländer
AMap Global (englische Karten-App), TaxifunktionAusländische Telefonnummer, Alipay oder WeChat PayIn der Regel ja — keine +86-Nummer, keine chinesische ID
Jemand mit chinesischem Konto bestellt (Hotel, Guide, Bekannter)Eine Person mit chinesischer IDZuverlässig — der Umweg, den fast alle nehmen
Anbieter-App direkt (萝卜快跑 / 小马智行 / 文远知行)Chinesische Nummer und chinesische IDMeist nein — scheitert an der ID, nicht an der Sprache
RoboBus in GuangzhouVerkehrskarte, QR-Code oder NFCJa — gar keine App, gar kein Konto

Der letzte Eintrag ist der unterschätzteste. In Guangzhou fährt ein autonom fahrender Bus auf einer festen Runde, und man steigt mit der normalen Nahverkehrskarte ein. Kein Konto, keine Registrierung, nichts, woran man scheitern kann. Wer Guangzhou ohnehin auf der Route hat und nur einmal in einem führerlosen Fahrzeug sitzen will, kommt hier am billigsten rein — im Wortsinn.

Warum die Anbieter-Apps scheitern

Zwei Hürden, und die zweite ist die eigentliche.

Die erste ist die Telefonnummer. Jede Anbieter-App will eine +86-Nummer für die SMS-Bestätigung. Eine deutsche Nummer funktioniert nicht. Das ist lösbar: Eine Prepaid-SIM am Flughafen kostet wenig und ist in zehn Minuten mit dem Reisepass eingerichtet.

Die zweite ist die Identifikationsnummer. Nach der SMS verlangen viele Apps eine 18-stellige chinesische Personalausweisnummer. Der Reisepass passt nicht in dieses Feld. In einigen Pilotzonen gibt es einen manuellen Prüfweg für Pässe, aber er ist unzuverlässig, taucht mal auf und mal nicht, und kann einen Tag dauern. Wer darauf wartet, wartet meist vergeblich.

Deshalb der Umweg über die Karten-App: AMap ist keine Robotaxi-Firma, sondern ein Vermittler. Es sammelt Taxis, Fahrdienste und — wo verfügbar — auch autonome Fahrzeuge ein, und die Bezahlung läuft über das Alipay-Konto, das man als Ausländer ohnehin einrichtet.

Die drei Anbieter

Drei Firmen, drei Apps, keine davon auf Englisch sinnvoll nutzbar. Wer sie unterscheiden will: Sie unterscheiden sich in Abdeckung, Preis und darin, wie gut sie mit ausländischen Pässen umgehen.

AnbieterStädtePreis pro FahrtFür Ausländer
Apollo Go (Baidu, 萝卜快跑)Wuhan (fast Stadtgebiet), Peking (Yizhuang), Chongqing, Shanghai (Pudong), Guangzhou, Shenzhenca. 4–15 ¥Am schwierigsten direkt; über AMap in einigen Städten buchbar
Pony.ai (小马智行)Peking, Guangzhou, Shanghai, Shenzhenca. 10–30 ¥Nimmt in Pilotzonen manchmal den Reisepass an; englische Oberfläche vorhanden
WeRide (文远知行)Guangzhou (groß), Peking, Shenzhenca. 6–20 ¥, RoboBus ca. 2 ¥Am zugänglichsten: RoboBus ohne Konto, mit Verkehrskarte

Wie eine Fahrt abläuft

Sechs Schritte, und drei davon sind anders als bei Uber.

  1. Haltepunkt suchen. Die Autos halten nicht an jeder Adresse. In der App erscheinen grüne Punkte für zugelassene Haltepunkte. Man wählt Start und Ziel aus diesen Punkten — nicht aus einer Adresse.
  2. Bestellen. Es gibt keine Vorbestellung, außer für Flughafenrouten. Alles andere ist auf Abruf, mit Warteschlange und geschätzter Wartezeit.
  3. Auto identifizieren. Die App zeigt das Kennzeichen. Wichtig, weil an einem Haltepunkt mehrere Fahrzeuge stehen können.
  4. Tür öffnen. An der Tür ist ein kleiner Bildschirm. Man gibt die letzten vier Ziffern der Telefonnummer ein, mit der gebucht wurde. Ist Bluetooth aktiv, öffnet sich die Tür beim Näherkommen von selbst. Man hat etwa drei Minuten — danach storniert die Fahrt.
  5. Anschnallen. Eine Sprachansage erinnert daran, und das Fahrzeug fährt nicht los, bevor der Gurt sitzt. Das ist keine Höflichkeit, sondern eine Sperre.
  6. Aussteigen und bezahlen. Die Tür entriegelt am Ziel automatisch. Bezahlt wird über das Konto, nicht im Wagen.

Was anders ist als erwartet

Vier Dinge, die in keinem Video vorkommen.

  • Man kommt nicht bis an die Haustür. Haltepunkte liegen teilweise einige hundert Meter vom Ziel entfernt. Wer ein Hotel mit einer Adresse in einer Nebenstraße gebucht hat, läuft das letzte Stück.
  • Das Lenkrad dreht sich, aber niemand redet. Die größte Überraschung ist nicht die Technik, sondern die Stille. Kein Gespräch, keine Musik aus dem Radio, niemand, zu dem man höflich sein müsste.
  • Die Fahrweise ist vorsichtig, nicht sportlich. An Kreuzungen und bei Fußgängern wird gewartet. Wer das als „unsicher” liest, liest es falsch: Es ist die Fahrweise eines Systems, das keine Fehler machen darf.
  • Die Betriebszeiten enden früh. Wuhan fährt rund um die Uhr. Andere Städte stellen den Betrieb gegen 23 oder 24 Uhr ein. Wer nachts fahren will, prüft das vorher.

Wo man fahren sollte

Die Stadt entscheidet über das Erlebnis mehr als der Anbieter.

Wuhan hat die größte zusammenhängende Abdeckung — nach Angaben von Reisenden ist sogar die Fahrt vom Flughafen ins Hotel führerlos möglich. Wer das leere Lenkrad sehen will, fährt hier.

Peking, Bezirk Yizhuang ist der dichteste Testbezirk: Alle drei Anbieter fahren dort, man kann sie an einem Nachmittag vergleichen — und mit einem Besuch im dortigen Robotik-Zentrum verbinden.

Guangzhou und Shenzhen sind für Ausländer am leichtesten zugänglich, Guangzhou zusätzlich wegen des RoboBus.

Shanghai hat bisher nur eine kleine Zone in Pudong. Für eine Reise, die ohnehin in Shanghai beginnt, ist das ein Zusatz, kein Grund zur Anreise; ob die Fahrzeuge in der Vermittlungs-App erscheinen, ist nicht bestätigt und ändert sich.

Was das für eine Technologiereise bedeutet

Eine Robotaxi-Fahrt ist kein Programmpunkt, sondern ein Test. Wer zwanzig Minuten ohne Fahrer durch eine echte Stadt fährt, versteht danach die Diskussion über autonomes Fahren anders — nicht besser, aber konkreter.

Praktisch heißt das: eine Fahrt einplanen, nicht drei. Der Erkenntnisgewinn kommt beim ersten Mal. Und wer mehr will — etwa ein Gespräch mit jemandem, der die Flotte betreibt — braucht dafür einen Termin, nicht eine App. Das ist der Unterschied zwischen Erleben und Zugang.

Häufige Fragen

Brauche ich eine chinesische SIM-Karte?

Für die Anbieter-Apps ja, für den Weg über AMap nein. AMap Global akzeptiert eine ausländische Nummer und registriert sie beim ersten Login automatisch. Eine chinesische SIM-Karte ist trotzdem nützlich, weil viele andere Dienste eine SMS-Bestätigung an eine +86-Nummer schicken.

Kann ich mit Kreditkarte bezahlen?

Nicht direkt bei AMap. Die Bezahlung läuft über Alipay oder WeChat Pay, und beide lassen sich mit einer ausländischen Kreditkarte einrichten. Wer das vor der Reise macht, hat auf der Fahrt keine Probleme.

Fahren die Autos wirklich ohne Fahrer?

In Wuhan ja, bei den meisten Fahrten. In anderen Städten sitzt häufig noch eine Sicherheitsperson am Steuer, die nicht eingreift, solange nichts passiert. Der Unterschied ist für das Erlebnis kleiner, als er klingt — relevant ist er, wenn jemand genau das leere Lenkrad sehen will.

Kann ich einsteigen, ohne Chinesisch zu sprechen?

Im Auto ja: Es gibt keine Interaktion mit einem Fahrer. Die Bestellung läuft über eine englische Oberfläche, der Einstieg über einen Code an der Tür, und im Wagen erkennt dich eine Sprachassistenz, die sich auf Englisch umstellen lässt. Der schwierige Moment ist die Buchung, nicht die Fahrt.

Warum ist das so billig?

Weil es subventioniert ist. Fahrten kosten oft ein Drittel bis die Hälfte eines normalen Taxis. Die Preise sind kein Ausdruck der Kosten, sondern ein Instrument, um Nutzung aufzubauen — wer daraus auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs schließt, zieht den falschen Schluss.

Was passiert, wenn die Fahrt abbricht?

Im Wagen gibt es eine Notruftaste, die mit einer Fernbetreuung verbunden ist. Praktisch relevanter: Die Fahrzeuge halten nur an festgelegten Haltepunkten. Wer ein Ziel abseits davon eingibt, wird an den nächsten Punkt gebracht — das kann ein paar hundert Meter vom eigentlichen Ziel entfernt sein.

Quellen

  • Anbieterangaben Apollo Go, Pony.ai und WeRide, Stand Oktober 2026
  • AMap (高德地图): Hinweise zur Nutzung der Taxifunktion für ausländische Reisende, Stand Oktober 2026
  • Reiseberichte und Nutzertests, Oktober 2026
  • Nationale Einwanderungsbehörde der VR China — Visumbefreiung, Stand Oktober 2026

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In Vorbereitung

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